Seele: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 26. Mai 2017, 16:15 Uhr
Allgemeines
Bereits in den Höhlenmalereien von Lascaux (ca. 15.000 v.C.) wurde der Geist eines Toten als Vogel dargestellt.[1]
"Die Seele ist unsterblich und wechselt den Ort, indem sie von einer Art Lebewesen in eine andere übergeht" (Pythagoras (um 570–510 v. Chr.)) Er führte damit die Vorstellung einer Seelenwanderung in das Abendland ein.[1]
Nach Platon (um 428-348 v.C.) soll sein Lehrer Sokrates (469-399 v.C.) mit der Unsterblichkeit und Unkörperlichkeit der Seele argumentiert haben, nachdem er den Schierlingsbecher getrunken habe.[1]
Aristoteles (384-322 v.C.), ein Schüler Platons, unterschied zwischen der Psyche als das "belebende Prinzip" und den intellektuellen Fähigkeiten des Geistes, dem "nous".[1]
Thomas von Aquin (1225-1274) lehnte die Vorstellung der Beseelung der Himmelskörper ab.[2]
Rene Descartes (1596-1650) unterschied zwischen dem Körper (res extensa (das Ausgedehnte)) und dem Geist (res cogitans (das Denkende)). (Dualismus)[1]
Für Daniel Dennett (*1942) ist der Mensch nur Körper. Der Geist sei lediglich eine andere (subjektive) Art, den Körper zu beschreiben. (Monismus)[1]
Für den Psychologen Jesse Bering ist die Seele eine Kompensation, um mit unseren Tod (Nichtsein) leichter leben zu können. So schuf er den Begriff des "simulation constraints theory" (Theorie des beschränkten Nachvollziehens).[1]
Im "Terror Management" nehmen wir lässig hin, dass wir vor 100 Jahren nicht existiert haben, tun uns jedoch schwer, dass wir in 100 Jahren nicht mehr existieren werden. Der Glaube an die Seele ist hier ein Ausbruch.[1]
"Geist ist das, was das Gehirn macht." (Steve Ayan)[1]
Der Glaube an eine Seele "erfüllt gleich mehrere Funktionen - als hypothetische Quelle des Ichs, als Ersatz für das, was wir uns nicht vorstellen können, und als Beruhigungspille. Mit der Seele ist es wohl ähnlich wie mit dem freien Willen: Ob es sie gibt, ist offen; doch beide tun uns einfach gut."[1]
Die Annahme, mentale Zustände könnten über den Tod hinaus Bestand haben, bildet laut der Philosophin Manuela di Franco das Zentrum des Seelenbegriffs.[1]
Seele in der Philosophie
Staat | Mensch | |||
---|---|---|---|---|
Stand | Tätigkeit | Leib | Seelenteil | Tugend |
Herrscher | Regieren | Kopf | Vernunft (logistikon) | 1. Weisheit (sophia) |
Wächter | Verteidigen | Brust | Mut (thymoeides) | 2. Tapferkeit (andreia) |
Gewerbetreibende | Produzieren | Unterleib | Begierde (epithymetikon) | 3. Besonnenheit (sophrosyne) |
Die Kardinaltugenden bei Platon (Politeia/Phaidros). (Quelle: Giovanni Maio: Mittelpunkt Mensch: Ethik in der Medizin. Stuttgart 2012, 54. Die 3 Kardinaltugenden münden nach Platon in die 4. Tugend, der Gerechtigkeit (dikaiosyne).
Seelenteile | Leistung | Qualität | Tugenden |
---|---|---|---|
Denkseele | Vernunft | in sich vernünftig | dianetische Tugenden |
Empfindungssseele | Begehren | auf die Vernunft hörend | ethische Tugenden |
Ernährungsseele | Ernährung |
Giovanni Maio: Mittelpunkt Mensch: Ethik in der Medizin. Stuttgart 2012, 59.
Nach Aristoteles entspringen der Denkseele die Verstandestugenden (aretai dianoetikai). Dazu gehören die Klugheit (phronesis) und die Weisheit (sophia). Zum Menschsein gehört auch das Glücklichsein (eudaimonia). Nach Aristoteles besitzt die Klugheit 3 Stufen: 1. Überlegung, 2. Urteil, 3. Handlungsvollzug.
Etymologie
Das altgriechische Wort "pschê" für Atem ist die Wurzel von "Psyche".[1]
Das urgermanische Wort "saiwaz" für See ist die Wurzel von "Seele".[1]
Kurz erklärt[1]
Kategorienfehler: Verwechslung logischer Bezugssysteme, etwa wenn man abstrakten Konzepten physische Eigenschaften wie Gewicht oder Ausdehnung zuschreibt Körper-Geist-Problem: Grundfrage der Neurophilosophie: Wie hängen körperliche und geistige Phänomene miteinander zusammen, und wie beeinflussen sie sich gegenseitig? Dualismus: Unterscheidung von physischen und geistigen Seinsbereichen oder Eigenschaften von Dingen Homunkulus (lateinisch: Menschlein): Paradoxe Vorstellung einer vollkommen freien, unbedingten Instanz, die unsere Bewusstseinsakte und Handlungen steuert Animismus: Glaube an die Beseeltheit von Menschen, Tieren oder sogar des Universums als solchem Naturalisierung: Zurückführung geistiger Phänomene auf körperliche, zum Beispiel neurophysiologische Vorgänge |
Seele in der Sprache
Seele im Alten Testament
Seele im Neuen Testament
Seele im Koran
Seele in der Umgangssprache
Der Begriff Seele findet in deutschen Redewendungen vielfältige Anwendung. Dabei besteht nicht immer ein direkter Zusammenhang zur Seele.
Redewendungen[3] | Begriffe[4] |
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Nun hat die liebe Seele seine Ruhe. = Jemanden zufrieden gestellt haben.
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Kabelseele = das Innere eines Kabels
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Ergänzungen | Ergänzungen |
Beseelung = die Seele in den Menschen einsetzen
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Der Sitz der Seele
In der nachfolgenden Auflistung wird der Sitz der Seele nach den angenommenen Orten gelistet, innerhalb der Organe in chronologischer Reihenfolge. Es wird hierbei versucht, ein vollzähliges Bild wiederzugeben, kann jedoch nicht dafür garantieren.
Körper
Herz
Der Totenpapyrus des Hunefer (ca. 1300 v.C.) zeigt, wie das Herz des Toten (Sitz der Seele) in einer Waagschale gegen eine Feder (Symbol der Maat) aufgewogen wird.[5]
Noch heute sagen viele Menschen, darunter auch Mediziner (meist Kardiologen), dass das Herz der Sitz der Seele sei oder als Sitz der Seele angesehen wird.[Anm. 1]
Blut
Kopf
Zwirbeldrüse
Gehirnhöhlen
Gehirn
"Durch die Einswerdung der lebenden Seele mit ihrer Hülle läßt sich auch die wichtige psychologische Frage beantworten, wo der Sitz der Seele sey; eine Frage, welche die Psychologen viel beschäftigte, die sie aber zu beantworten nicht vermochten, was die Materialisten wieder veranlaßte, auch aus diesem Grund das Dasein der Seele zu leugnen, weil man nemlich nicht bestimmen könne, wo sie ihren Sitz habe."[6]
Mit Alkmaion von Kroton (um 500 v.C.) begann wohl die wissenschaftliche Hirnforschung. Er war der Erste, der Tiere sezierte, um das Gehirn zu erforschen. Seine dabei gewonnene Erkenntnis ist verblüffend zeitnah: "Das Gehirn ist es, das die Wahrnehmungen des Hörens, Sehens und Riechens gestattet; aus diesen entstehen Gedächtnis und Vorstellung, aus Gedächtnis und Vorstellung aber, wenn sie sich gesetzt haben und zur Ruhe gekommen sind, bildet sich das Wissen."[7]
Seit der Antike wurde der Sitz der Seele mit einem Organ verbunden: Aristoteles (384-322 v.C.) hielt das Herz als den Sitz der Seele, das Gehirn für ein Kühlsystem des Herzens.[8]
Für Galen (Galenos) (129-199) war klar das Gehirn das zentrale Organ.[9]
Die erste Herz-TX soll im Jahre 1905 in Wien an einem Hund erfolgt sein. Doch Tiere sind seelenlose Wesen, so die offizielle Lehre der Kirche. Daher könnte dabei auch keine Seele transplantiert worden sein.
In den 60er Jahren war Norman Shumway (1923-2006) für eine Herz-TX am Menschen bereit. Anhand von Tierexperimenten hatte er reichlich Erfahrungen sammeln können, doch amerikanische Gerichte gaben ihnen hierzu nicht die Erlaubnis. Religiös motiviert hatte man die große Sorge, dass bei der Herz-TX auch die Seele des Menschen transplantiert werden könnte. Dies dürfe jedoch nie geschehen.
Christiaan Barnard (1922-2001) lernte diese Operationstechnik von Norman Shumway und wandte sie im Dezember 1967 im Kapstadt an, wo es keine solche gesetzliche Verbote gab. Barnard setzte sich mit dieser ersten Herz-TX an einem Menschen einfach über religiöse Vorstellungen und ethische Richtlinien hinweg und transplantierte, als sich ihm die Gelegenheit bot. - Aus der Narkose erwachte jedoch nicht die 24-jährige Denise Darvall, die bei einem Autounfall tödlich verunglückte, sondern der herzkranke Obsthändler Louis Washkansky. Damit hatte Christiaan Barnard nicht nur die erste Herz-TX an einem Menschen durchgeführt, sondern auch bewiesen, dass das Herz nicht der Sitzt der Seele ist.
"... entsteht nun die Frage, wo der Sitz der Seele sey? eine Frage, deren Lösung die Psychologen viel beschäftige, die aber noch nicht beantwortet ist, was die Materialisten veranlaßte, auch aus diesem Grund das Daseyn der Seele zu leugnen, weil man nicht bestimmen könne, wo sie ihren Sitz habe."[10]
Johannes Ennemoser (1787-1854) brachte im Jahr 1844 die "Geschichte der Magie" heraus. Darin zählt er verschiedene "Meinungen über den Sitz der Seele" auf:[11]
- Parmenides (520-455 v.C.), Epikur (341-270 v.C.) und Lucrez (99-53 v.C.) lehrten, dass der Sitz der Seele in der Brust sei. (das schlagende Herz?)
- Nach Diogenes von Apollonia (499-428 v.C.), Hippokrates von Kos (460-370 v.C.), Plutarch (45-125) und Ausonius (310-394) sei der Sitz der Seele im Herzen bzw. im Herzbeutel.
- Empedokles (495-435 v.C.) sahen die Seele des Menschen im Blut.
- Demokrit (460-4.Jh. v.C.) und Platon (427-347 v.C.) hielten den Kopf für den Sitz der Seele. Für Straton von Lampsakos (340-268 v.C.) lag sie zwischen den Augenbrauen.
- Die Platoniker (ab 4.Jh. v. C.) lehrten, dass in jedem Körperteil die Seele sei und wirke, insbesondere im Gehirn als Ausgangsort aller Empfindungen und allen Handelns.
René Descartes (1596-1650) hielt die Zirbeldrüse als Sitz der Seele.
- Samuel Thomas von Soemmerring (1755-1830) vermuteten die Seele in den Gehirnhöhlen.
Anhang
Quellen
Di Franco, M.: Die Seele. Begriffe, Bilder und Mythen. Stuttgart 2009.
Anmerkungen
- ↑ Zu diesen Menschen gehören: Dragan Radosavac, Jochen Jordan,
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n Steve Ayan: Was von der Seele übrig bleibt. (03.12.2015) In: http://www.spektrum.de/news/warum-wir-an-die-seele-glauben/1379699 Zugriff am 29.12.2016.
- ↑ Aline Dias da Silveira: Die Maurenbilder im Werk Alfons’ X. von Kastilien - Pragmatische Haltung, Toleranz und Kulturaustausch im mittelalterlichen Spanien. Berlin 2007. (phil. Diss) Nach: http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/dias-da-silveira-aline-2008-11-20/PDF/dias-da-silveira.pdf Zugriff am 22.4.2017
- ↑ Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 8. Band, Seite 3502f.
- ↑ Erich Mater: Rückläufiges Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. o.O. 2000. (CD-ROM)
- ↑ Anja Semling: Das ägyptische Totengericht. Wiegen des Herzens, bzw. der Seele. Nach: http://www.mein-altaegypten.de/Website/C-Religion-Totenkult-Totengericht.html Zugriff am 22.4.2017.
- ↑ Michael Petöcz: Ansicht der Welt: Ein Versuch die Höchste Aufgabe der Philosophie zu lösen. Leipzig 1838, 102. Nach: https://books.google.de/books?id=nhE5AAAAcAAJ&pg=PA102&lpg=PA102&dq=umfrage+%22sitz+der+seele%22&source=bl&ots=X9D6U5zKYh&sig=34UnuYrGdUMyGmGcZvZ6whg80NQ&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwintsC9wrzTAhUIExoKHRsDB5IQ6AEINDAJ Zugriff am 22.4.2017.
- ↑ https://www.dasgehirn.info/entdecken/Kopf_und_Inhalt/alkmaion-2013-pionier-der-experimentellen-hirnforschung-3992 Zugriff am 3.8.2015.
- ↑ https://www.dasgehirn.info/entdecken/Kopf_und_Inhalt/aristoteles-2013-das-gehirn-als-kuehlsystem-1174 Zugriff am 3.8.2015.
- ↑ https://www.dasgehirn.info/entdecken/Kopf_und_Inhalt/galen-2013-das-gehirn-als-zentrales-organ-4089 Zugriff am 3.8.2015.
- ↑ Michael Petöcz: Die Welt aus Seelen. Pesth 1835, 236. Nach: https://books.google.de/books?id=LKdeAAAAcAAJ&pg=PA236&lpg=PA236&dq=umfrage+%22sitz+der+seele%22&source=bl&ots=gI4Ry483wf&sig=8nvPBteB82_0LCPE_s3ydR5J61U&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwintsC9wrzTAhUIExoKHRsDB5IQ6AEINzAK Zugriff am 22.4.2017.
- ↑ Johannes Ennemoser: Geschichte der Magie. Buch 1. München 1844. Nach: http://www.lexikus.de/ bibliothek/Geschichte-der-Magie-01/120-Meinungen-ueber-den-Sitz-der-Seele Zugriff am 22.04.2017.