Claudia Wiesemann

Aus Organspende-Wiki
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Schriften

Annäherungen an den Tod (04.06.2015)

Am 04.06.2015 erschien von Claudia Wiesemann der Artikel "Annäherungen an den Tod".[1] Darin heißt es:

Der sensible Bereich ist nicht einmal umfassend erforscht.

In der Medizin gibt es kaum etwas, was noch besser erforscht ist, das der Hirntod. Das zeigen die zahlreichen Studien, die bis in die 1950-er Jahren zurückreichen.

Denn im Koma lassen sich die Funktionen des Gehirns nur indirekt erfassen.

Koma und Hirntod lassen sich deutlich voneinander unterscheiden.

Die Hirntod-Diagnose am Ende einer Vielzahl funktioneller Untersuchungen einzelner Gehirnabschnitte beruht auf Schlüssen aus verschiedenen, miteinander kombinierten Befunden.

... aber auch - seit den 1960-er Jahren! - auch auf histologische Befunde der Pathologie.

Keine Untersuchung kann allein direkt und unmittelbar den Tod auch nur einer Gruppe von Zellen beweisen, geschweige denn den Tod sämtlicher Zellen des Gehirns.
Nur aus der Kombination dieser sehr unterschiedlichen Erkenntnisse kann man im Einzelfall mit einer ausreichenden Sicherheit ableiten, dass alle Hirnzellen abgestorben sind.
Wissenschaftler müssten systematisch untersuchen, ob die These, der Untergang sämtlicher Gehirnzellen lasse sich sicher diagnostizieren, nicht widerlegt werden kann.
Um einen Therapieabbruch in Betracht zu ziehen, bedarf es keines sicheren Nachweises des Untergangs jeder einzelnen Hirnzelle.

Hirntod ist in § 3 TPG als Funktionsausfall definiert, nicht als Tod aller Gehirnzellen.

Ins Gehirn lässt sich eben nicht so einfach hineingucken.

Es sind aber Rückschlüsse möglich, so z.B. bei der Nichtdurchblutung des Gehirns.

Ein Hauptproblem besteht darin, dass fast alle Techniken nur den momentanen Ausfall nachweisen, nicht aber den dauerhaften Untergang.

Siehe: Irreversibilität

Das Fehlen einer Funktion im Gehirn heißt eben nicht, dass diese Funktion für immer erloschen ist.

Siehe: Nullsummenzustand

Studien wie die von Welschehold et al., die 2012 im Deutschen Ärzteblatt erschienen, problematisieren wichtige Aspekte der Hirntod-Diagnostik, ihre Konsequenzen werden aber nicht offen diskutiert. Welschehold und seine Arbeitsgruppe verglichen die Kontrastdarstellung der Hirngefäße (CT-Angiografie) mit anderen Techniken wie dem EEG oder der Ultraschall-Doppler-Untersuchung und stellten fest, dass sich in 14 Prozent der Fälle voneinander abweichende Befunde ergaben.

Was ändert dies an dem Zustand des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls?

Wenn die CT-Angiografie nicht durchgeführt wird, dann könnte in bis zu 14 Prozent der Fälle eine noch vorhandene Restdurchblutung des Gehirns übersehen werden. Doch bis heute müssen Untersucher nicht begründen, warum sie die Diagnostik für unnötig halten.

Wie groß ist die Restdurchblutung? Seit den 1960-er Jahren weiß man, dass bei einer Restdurchblutung von weniger als 20% die Gehirnzellen absterben.

Wie sicher können die operierenden Ärzte sein, dass dieser Patient keinerlei Empfindungen mehr verspürt?

Siehe: Schmerz

Wie sichert man das ärztliche Gebot des Primum nil nocere, der Vermeidung von Schaden?

Siehe: Sicherheit

Pro + Contra: Widerspruchsregelung bei der Organspende (12.12.2018)

Claudia Wiesemann hielt am 12.12.2018 auf dem Forum Bioethik des DER einen Vortrag.[2] Dabei sagte sie:

Und die Zahl der Besitzer eines Organspende-ausweises steigt in den letzten zehn Jahren konsequent, auf einen Wert von 36 Prozent.

In den Intensivstationen ist diese Quote noch nicht angekommen. Im Jahr 2017 hatten nach festgestelltem Hirntod 16% eine schriftliche Entscheidung zur Frage der Organspende.

Es ist bekannt, dass nicht wenige Anästhesisten bei der Entnahmeoperation ihrem Organspender Schmerzmittel verabreichen, obwohl das nach der Hirntodtheorie nicht nur nicht notwendig, sondern sogar sinnlos ist.

Was soll damit gesagt werden? Siehe: Schmerzen und Schmerzen#Schweiz


Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise