97%
Bereits 1993 stellte Detlef Bernhard Linke die Frage: "Kann ein Mensch für tot angesehen werden, wenn 97% seiner Körperzellen noch funktionieren, aber nur die 3%, die sein Gehirn ausmachen, ausgefallen sind?"[1]
Für Kritiker des Hirntodkonzeptes sind Hirntote keine Tote. Für die meisten Kritiker sind Hirntote Sterbende, für einige weniger Kritiker sind sie Menschen, die nach richtiger Behandlung wieder ins normale Leben zurückkommen können (was faktisch jedoch völlig absurd ist). Wenn Hirntote keine Tote sind, sind sie jedenfalls den Lebenden zuzuzählen.
Damit gilt dieses:
Sollte jemand bewusst und gezielt einen anderen Menschen in den Zustand "Hirntod" bringen, was schwer genug ist, so wäre das dann weder Mord noch Tötung, denn der "Hirntote" würde demnach noch leben. Man könnte somit den Täter höchstens wegen Körperverletzung anklagen. Da mit dem "Hirntod" nur ca. 2% des Körpers verletzt ist, könnte die Verteidigung sogar auf leichte Körperverletzung plädieren.
So wies die Mehrheit des DER Hirntod und Entscheidung zur Organspende auf Seite 77 in Fußnote 133 darauf hin:[2]
Es ist daher schon auf der medizinisch-biologischen Beschreibungsebene irreführend, vom Ausfall der Integrationsfähigkeit des Organismus abzusehen und einen Hirntoten als einen zu 97 Prozent Lebenden zu bezeichnen, bei dem nur die Hirnfunktionen aus-gefallen seien. Siehe zum Beispiel Geisler 2010: „Hirntote sind Menschen, bei denen 97 Prozent ihres Körpers leben, nur drei Pro-zent – ihr Gehirn – ist tot“. Ebenso bezeichnete Tröndle (1997, Vorbemerkung zu § 211 Rn. 30) einen hirntoten Menschen als einen „zu 97% Lebenden ohne Hirnfunktion“ |
Anhang
Anmerkungen
Einzelnachweise
- ↑ Detlef Bernhard Linke: Hirnverpflanzung - Die erste Unsterblichkeit auf Erden. Hamburg 1993, 115.
- ↑ http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/042/1804256.pdf Zugriff am 30.04.2019.