Halbes Gehirn
Es gibt Berichte über Menschen, denen eine Gehirnhälfte entfernt wurde. Ihnen ist diese Seite gewidmet.
Beispiele
Die Jahreszahl gibt das Jahr der Gehirn-OP an:
1996 Alex
Alex konnte während seiner ersten 9 Lebensjahren nur stammelnde Laute von sich geben. Nach der Entfernung des halben Kortex konnte er plötzlich reden. Alex litt an einer seltenen angeborene Missbildung der Blutgefäße, dem Sturge-Weber-Syndrom. Es hatte Alex linke Hirnhälfte zerstört. Zwar hatte die rechte Hälfte die Steuerung wichtiger Funktionen übernommen und damit eine halbseitige Lähmung verhindert. Doch sprechen konnte Alex nicht lernen. "Mama" war das einzige Wort, das Alex zwischen ständig wiederkehrenden epileptischen Anfällen hervorbrachte.[1]
Dann entfernte ein Ärzteteam um den Neurochirurgen Christopher Adams am Radcliffe-Krankenhaus im englischen Oxford die linke Hirnhälfte. Wie im Zeitraffer begann Alex, das Versäumte aufzuholen. Die epileptischen Anfälle verschwanden. Schon nach vier Monaten formte er die ersten Worte, bald darauf ganze Sätze. Innerhalb von nur zwei Jahren lernte Alex zu sprechen wie ein Achtjähriger.[1]
"Was den Fall Alex so bemerkenswert macht, ist, daß die Sprache so schnell und zu solch einem späten Zeitpunkt erlernt wurde", erläuterte der Neuropsychologe Mortimer Mishkin vom US-amerikanischen National Institute of Mental Health. Er hat die Fortschritte des Jungen über Jahre hinweg beobachtet. Auch wenn der damals (1996) 15-Jährige noch nicht die Wortgewandtheit eines Erwachsenen erreicht, sei er doch für einen Jungen seiner Intelligenz (IQ 70) überdurchschnittlich leistungsfähig, so Mishkin.[1]
Alex ist ein deutliches Beispiel für die erstaunliche Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns. Während bei Erwachsenen ein großer, linksseitiger Schlaganfall die meisten Sprachfunktionen auf Dauer auslöschen kann, übernimmt bei Patienten mit Sturge-Weber-Syndrom die rechte Hirnhälfte diese Aufgaben – wenn sie in den ersten Lebensjahren behandelt werden. Dass dies auch noch mit 9 Jahren funktioniert, zeigt sich am Beispiel von Alex.[1]
bleibende Sprachstörungen
Genies wurde von ihrem geistig behinderten Vater 13 Jahre in ihrem Zimmer eingeschlossen. Trotz normaler Intelligenz und intensiver Schulungen hat Genie niemals normal sprechen gelernt und bringt lediglich Sätze hervor wie: "Apfelbrei kaufen Laden". Eine Analyse von 8 Leidensgenossen Genies, allesamt "linguistisch deprivierte" Kinder, die im Alter zwischen 2,5 und 13 Jahren entdeckt wurden, ergab, dass immerhin 6 von ihnen das Trauma überwanden und später sprechen lernten. Diese 6 waren vor dem 9. Lebensjahr befreit worden.[1]
Lernen diese Menschen nämlich die Zeichensprache erst nach dem 13. Lebensjahr, so erreichen sie niemals mehr die Fähigkeiten taubstummer Jugendlicher, die von frühester Kindheit an mit der Zeichensprache konfrontiert wurden.[1]
- https://www.beobachter.ch/gesellschaft/forschung-es-geht-auch-fast-ohne-hirn
- https://www.heise.de/tp/features/Das-Maedchen-das-mit-nur-einer-Gehirnhaelfte-sieht-3382052.html
- https://www.spektrum.de/magazin/das-maedchen-mit-dem-halben-gehirn/1005792
- https://www.zeit.de/1999/28/199928.hirnamputiert_.xml/komplettansicht
- https://www.rtl.de/cms/gehirn-op-maedchen-lebt-mit-einer-hirn-haelfte-628023.html
- https://www.rtl.de/cms/acht-monate-altem-baby-wurde-das-halbe-gehirn-entfernt-so-geht-es-cheyenne-rae-heute-2443521.html
- https://www.wunderweib.de/schuetteltrauma-baby-wird-halbes-gehirn-entfernt-12537.html
Fazit
"Bis zum Alter von sieben Jahren ist alles offen", so Angela Friederici, 1996 die Direktorin des Max-Planck-Instituts für Neuropsychologie in Leipzig. Das Gehirn ist so anpassungsfähig, dass auch die rechte Hälfte Sprache neu erlernen kann. "Erst nach dem siebten Lebensjahr wird es zunehmend schwieriger, und nach der Pubertät scheint es unmöglich zu sein."[1]
Anhang
Anmerkungen