Enterotyp

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Als Enterotypen bezeichnet man häufige Besiedelungsvarianten der bakteriellen Darmflora.

Durch Sequenzierung der Mikroorganismen aus vielen Stuhlproben kann man zeigen, dass das bakterielle Ökosystem der Darmflora des Menschen grob in drei Enterotypen einteilbar ist, die unabhängig von Alter, Geschlecht, Körpergewicht oder Wohnort sind.[1] Diese Enterotypen können durch Langzeit-Diäten beeinflusst werden.[1]

Einteilung

In Abhängigkeit der dominanten Bakterienstämme werden 3 Enterotypen unterschieden:[1]

  • Enterotyp 1: Bacteroides-dominanter Typ. Diese Bakterien sind mit einer Ernährung korreliert, die einen hohen Gehalt an Proteinen und gesättigten Fetten hat.
  • Enterotyp 2: Prevotella-dominanter Typ. Diese Spezies tritt vorzugsweise bei Menschen auf, deren Ernährung von Kohlenhydraten dominiert wird.
  • Enterotyp 3: Ruminococcus-dominanter Typ. Diese Mikroorganismen spalten Zucker und Muzine.

Welchen Effekt die verschiedenen Enterotypen auf z.B. die Absorption von Nahrungsmitteln und Medikamenten oder auf andere physiologische Vorgänge haben, ist Gegenstand laufender Studien. Vermutet wird ein Zusammenhang des Enterotyps mit dem Auftreten von Adipositas, Allergien, Infektionen oder Entzündungen.

Einflussgrößen

Es gibt verschiedene Einflussgrößen auf die Darmflora:[1]

  • Geburt: Bei einer natürlichen Geburt wird im Gegensatz zum Kaiserschnitt ein Teil der Vaginal- und Darmflora auf das Neugeborene übertragen (siehe auch: Vaginal Seeding).
  • Stillen: Eine Vielzahl von in der Muttermilch enthaltenen Substanzen wirkt probiotisch auf die Darmflora.
  • Küssen: Beim Küssen kommt es zur Übertragung der im Speichel enthaltenen Bakterien, daher haben Familienmitglieder meist den gleichen Enterotyp.
  • Ernährung: Während eine ballaststoffreiche Ernährung probiotische Auswirkungen auf die Darmflora hat, begünstigt ein gesteigerter Fleisch- und Fettkonsum die Ansiedelung potentiell pathogener Erreger.
  • Lifestyle-Änderungen: Diäten, Ernährungsumstellungen und Sport beeinflussen die Proliferationsrate einiger Darmbakterien und so die Zusammensetzung der Darmflora.
  • Medikamente: Antibiotika verändern die Darmflora. Diese kann jedoch häufig nach dem Absetzen der Arzneistoffe wieder vollständig hergestellt werden.

Klinik

Die therapeutische Veränderung des Enterotyps macht man sich z.B. bei einer Stuhltransplantation im Rahmen der Behandlung der Adipositas oder chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (u.a. Colitis ulcerosa) zunutze.[1]

Kritik

Die vorgeschlagene Einteilung ist wissenschaftlich umstritten. Einige Autoren konnten die Ergebnisse der Studien, die dem Enterotyp-Konzept zugrundeliegen, nicht bestätigen. Sie halten den Begriff "Enterotyp" für irreführend.[1]



Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. a b c d e Darius Schäfer-Bashtdar: Enterotyp. Nach: https://flexikon.doccheck.com/de/Enterotyp Zugriff am 22.09.2020.