Seele

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Allgemeines

Bereits in den Höhlenmalereien von Lascaux (ca. 15.000 v.C.) wurde der Geist eines Toten als Vogel dargestellt.[1]

"Die Seele ist unsterblich und wechselt den Ort, indem sie von einer Art Lebewesen in eine andere übergeht" (Pythagoras (um 570–510 v. Chr.)) Er führte damit die Vorstellung einer Seelenwanderung in das Abendland ein.[1]

Nach Platon (um 428-348 v.C.) soll sein Lehrer Sokrates (469-399 v.C.) mit der Unsterblichkeit und Unkörperlichkeit der Seele argumentiert haben, nachdem er den Schierlingsbecher getrunken habe.[1]

Aristoteles (384-322 v.C.), ein Schüler Platons, unterschied zwischen der Psyche als das "belebende Prinzip" und den intellektuellen Fähigkeiten des Geistes, dem "nous".[1]

Rene Descartes (1596-1650) unterschied zwischen dem Körper (res extensa (das Ausgedehnte)) und dem Geist (res cogitans (das Denkende)). (Dualismus)[1]

Für Daniel Dennett (*1942) ist der Mensch nur Körper. Der Geist sei lediglich eine andere (subjektive) Art, den Körper zu beschreiben. (Monismus)[1]

Für den Psychologen Jesse Bering ist die Seele eine Kompensation, um mit unseren Tod (Nichtsein) leichter leben zu können. So schuf er den Begriff des "simulation constraints theory" (Theorie des beschränkten Nachvollziehens).[1]

Im "Terror Management" nehmen wir lässig hin, dass wir vor 100 Jahren nicht existiert haben, tun uns jedoch schwer, dass wir in 100 Jahren nicht mehr existieren werden. Der Glaube an die Seele ist hier ein Ausbruch.[1]

"Geist ist das, was das Gehirn macht." (Steve Ayan)[1]

Der Glaube an eine Seele "erfüllt gleich mehrere Funktionen - als hypothetische Quelle des Ichs, als Ersatz für das, was wir uns nicht vorstellen können, und als Beruhigungspille. Mit der Seele ist es wohl ähnlich wie mit dem freien Willen: Ob es sie gibt, ist offen; doch beide tun uns einfach gut."[1]


Die Annahme, mentale Zustände könnten über den Tod hinaus Bestand haben, bildet laut der Philosophin Manuela di Franco das Zentrum des Seelenbegriffs.[1]

Seele in der Philosophie

Staat Mensch
Stand Tätigkeit Leib Seelenteil Tugend
Herrscher Regieren Kopf Vernunft (logistikon) 1. Weisheit (sophia)
Wächter Verteidigen Brust Mut (thymoeides) 2. Tapferkeit (andreia)
Gewerbetreibende Produzieren Unterleib Begierde (epithymetikon) 3. Besonnenheit (sophrosyne)

Die Kardinaltugenden bei Platon (Politeia/Phaidros). (Quelle: Giovanni Maio: Mittelpunkt Mensch: Ethik in der Medizin. Stuttgart 2012, 54. Die 3 Kardinaltugenden münden nach Platon in die 4. Tugend, der Gerechtigkeit (dikaiosyne).


Seelenteile Leistung Qualität Tugenden
Denkseele Vernunft in sich vernünftig dianetische Tugenden
Empfindungssseele Begehren auf die Vernunft hörend ethische Tugenden
Ernährungsseele Ernährung

Giovanni Maio: Mittelpunkt Mensch: Ethik in der Medizin. Stuttgart 2012, 59.

Nach Aristoteles entspringen der Denkseele die Verstandestugenden (aretai dianoetikai). Dazu gehören die Klugheit (phronesis) und die Weisheit (sophia). Zum Menschsein gehört auch das Glücklichsein (eudaimonia). Nach Aristoteles besitzt die Klugheit 3 Stufen: 1. Überlegung, 2. Urteil, 3. Handlungsvollzug.

Etymologie

Das altgriechische Wort "pschê" für Atem ist die Wurzel von "Psyche".[1]

Das urgermanische Wort "saiwaz" für See ist die Wurzel von "Seele".[1]


Kurz erklärt[1]

Kategorienfehler: Verwechslung logischer Bezugssysteme, etwa wenn man abstrakten Konzepten physische Eigenschaften wie Gewicht oder Ausdehnung zuschreibt

Körper-Geist-Problem: Grundfrage der Neurophilosophie: Wie hängen körperliche und geistige Phänomene miteinander zusammen, und wie beeinflussen sie sich gegenseitig?

Dualismus: Unterscheidung von physischen und geistigen Seinsbereichen oder Eigenschaften von Dingen

Homunkulus (lateinisch: Menschlein): Paradoxe Vorstellung einer vollkommen freien, unbedingten Instanz, die unsere Bewusstseinsakte und Handlungen steuert

Animismus: Glaube an die Beseeltheit von Menschen, Tieren oder sogar des Universums als solchem

Naturalisierung: Zurückführung geistiger Phänomene auf körperliche, zum Beispiel neurophysiologische Vorgänge


Anhang

Quellen

Di Franco, M.: Die Seele. Begriffe, Bilder und Mythen. Stuttgart 2009.

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n Steve Ayan: Was von der Seele übrig bleibt. (03.12.2015) In: http://www.spektrum.de/news/warum-wir-an-die-seele-glauben/1379699 Zugriff am 29.12.2016.