Zoonose

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Zoonosen (griech. zōon 'Tier' und nósos 'Krankheit') sind von Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragbare Infektionskrankheiten, die bei Wirbeltieren natürlicherweise vorkommen. Die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1959 besagt einschränkend, dass Zoonosen Infektionskrankheiten sind, die auf natürliche Weise zwischen Mensch und anderen Wirbeltieren übertragen werden können.

Ursprünglich verstand man unter Zoonosen lediglich Tierkrankheiten. Während des vorletzten Jahrhunderts fand ein Wandel in der Bedeutung der Bezeichnung statt. Neben den eigentlichen Tiererkrankungen verstand man Mitte des 19. Jh. unter Zoonosen nun auch Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden konnten. Beim heutigen Gebrauch der Bezeichnung Zoonose wird keine Unterscheidung hinsichtlich des Übertragungsweges gemacht. Zoonosen können also vom Menschen auf ein Tier (Anthropozoonose) oder vom Tier auf den Menschen (Zooanthroponose) übertragen werden.

Es sind gegenwärtig etwa 200 Krankheiten bekannt, die sowohl bei einem Tier wie auch beim Menschen vorkommen und in beide Richtungen übertragen werden können. Die eigentlichen Erreger können dabei Prionen, Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen, Helminthen oder Arthropoden sein.

Artikel

Nach Angaben des Wissenschaftsmagazins Nature sind 60% der neu auftretenden Infektionskrankheiten zoonotisch, 70% davon stammen vermutlich von Wildtieren. Die jüngsten Epidemien SARS-CoV-1, wo Erreger von Fledermäusen auf Zibetkatzen und dann auf den Menschen übersprangen, und MERS-CoV, das von Kamelen auf den Menschen übertragen wurde, sowie Ebola und HIV sind allesamt zoonotische Krankheiten", gibt Eva Rosenberg an.[1]

"Zu einer Übertragung von Tier zu Mensch kommt es Epidemiologen zufolge vor allem dann, wenn die Tiere großem Stress ausgesetzt sind. Eingriffe in ihren Lebensraum, das Abholzen von Wäldern, das Fangen und Zusammensperren lebender Tiere in kleinen Käfigen auf Märkten, all das verursache Stress und begünstige den Übergang der Viren von einer Spezies zur anderen und schließlich zum Menschen."[1]

Im April 2020 erschien in den "Proceedings of the Royal Society B" einen Studie über Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übergingen. Analysiert und miteinander korreliert wurden Daten der Roten Liste für bedrohte Tiere und Daten zu etwa 140 bekannten tierischen Viren, die aufgrund ihrer Eigenschaften auch Menschen anstecken könnten. Dabei zeigte sich, dass es nur wenige Wildtiere gibt, die ohne menschliches Zutun vom Aussterben bedroht sind, und diese generell nur ein sehr geringes Risiko der Übertragung von Infektionskrankheiten bergen. Die Zerstörung ihres natürlichen Umfelds erzeugt bei Tieren Stress, ihr Immunsystem wird geschwächt.[1]

Haus- und Nutztierarten beherbergen im Schnitt etwa achtmal so viel Viren wie wilde Tiere. So finden sich etwa in Schweinen und Rindern bis zu 30 Arten von Viren. Oft auf engem Raum und in unmittelbarer Nähe des Menschen gehalten, sind Nutztiere daher auch ein besonders großer Risikofaktor. "Die Massentierhaltung ist sowohl anfällig für Pandemien als auch schuld daran", sagte FAIRR-Gründer Jeremy Coller. "Es ist ein selbstdestruktiver Kreislauf, der Werte vernichtet und Leben gefährdet."[1]

Michael Greger fasst die Problematik mit den Worten zusammen: "Industrielle Tierhaltung ist der sicherste Weg, Pandemien hervorzurufen." Und: "Bei Pandemien ist es keine Frage des Ob, sondern des Wann und des Wie. Ein globaler Ausbruch mit einer Sterblichkeit von mehr als nur einigen Prozenten würde nicht nur die Finanzmärkte bedrohen, sondern auch die Zivilisation selbst, wie wir sie kennen.“[1]



Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. a b c d e Alice Hohl: Menschengemachte Virenschleudern. ORF.AT (08.06.2020) Nach: https://orf.at/stories/3168168/?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE Zugriff am 13.06.2020.