Christian Orth: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 27. Juni 2020, 10:00 Uhr

Christian Greinert

Christian Greinert (15) fuhr im Jahr 1985 mit seinem Fahrrad auf seinem Schulweg, als er von einem Auto angefahren wurde, das von einer jungen Autofahrerin gelenkt wurde. "Er verunglückte auf dem Schulweg so schwer, dass er schon an der Unfallstelle versuchte zu sterben. Sein Herzschlag setzte aus, der Notarzt belebte ihn wieder mit Elektroschocks. Ein Rettungshubschrauber flog ihn in die Medizinische Hochschule Hannover."Referenzfehler: Für ein <ref>-Tag fehlt ein schließendes </ref>-Tag.

Irgendwann muss dann eine HTD durchgeführt worden sein, die nach BÄK 1982 geschehen hätte müssen, denn Renate Greinert berichtet weiter: "Irgendwann wurden wir aus dem Zimmer geschickt, man wollte ein EEG ableiten. Außerdem wartete man auf ein Team von Neurochirurgen. Die 20 minütige Hirnstrom-Messung dauerte 11/2 Stunden. Dieses EEG existiert nicht mehr, dafür befindet sich in Christians Akte ein schnellaufgezeichnetes EKG. Die Neurochirurgen haben wir nicht gesehen, obwohl sich ein Protokoll von 2 Neurochirurgen in Christians Akte befinden, zu einem Zeitpunkt als wir vor Christians Tür warteten. Stattdessen erschien ein Arzt aus der Notaufnahme, um uns zu erklären, dass Christian jetzt tot sei und sauber, gemeint war frei von Medikamenten. Wir würden gleich um eine Organspende gebeten, so sagte er uns schon einmal vorab, damit wir anfangen könnten, nachzudenken. Das war alles. Für mich aber war die Welt stehen geblieben. Die Vergangenheit war vorbei, die Gegenwart, der Augenblick unerträglich, eine Zukunft gab es nicht mehr."[1]

Der beschriebene Umgang der Ärzte mit den Hinterbliebenen war nicht vorbildlich. Statt dessen ist es wünschenswert, dass die Angehörigen täglich über den aktuellen Stand informiert werden, am besten durch ein persönliches Gespräch, wenn es nicht anders geht per Telefon. Dies gilt insbesondere für diese Entwicklungsschritte:

  1. Es sollten die Ergebnisse der ersten Befunde über die schwere der Verletzungen, insbesondere der Hirnschädigung, mitgeteilt werden.
  2. Es sollte die Zusage erfolgen, dass alles getan wird, um das Leben des Patienten zu retten und seine Gesundheit wieder herzustellen.
  3. Wenn sich neue Ergebnisse ergeben, die eine Verschlechterung des Zustandes anzeigen, oder wenn sich der Zustand akut verschlechtert, sollten die Angehörigen zeitnah darüber informiert werden. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass die Angehörigen vom Informationsstand der Hoffnung plötzlich damit konfrontiert wird, dass nun die HTD durchgeführt wird oder gar dass der Hirntod festgestellt wurde.[Anm. 1]
  4. Ein zwingendes Muss stellt das Gespräch der Ärzte mit den Angehörigen zum Zeitpunkt dar, wenn die HTD ansteht. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass die Hinterbliebenen unvorbereitet mit der Tatsache des festgestellten Hirntodes konfrontiert wird.
  5. Nach der Feststellung des Hirntodes ist den Hinterbliebenen nicht nur einfach zu sagen, dass der Patient nun tot ist. Da der Hirntod ein unsichtbarer Tod ist, sollten den Hinterbliebenen Teile der HTD am Hirntoten mit dem Ziel gezeigt werden, dass hier kein Komapatient liegt, sondern ein Hirntoter.[Anm. 2]
  6. Wenn den Hinterbliebenen verständlich gemacht wurde, dass hier kein Koma vorliegt, sondern Hirntod, sollte ihnen einige Minuten gegönnt werden, diese Tatsache für sich zu verarbeiten. Es sollte hierbei angeboten werden, dass die Hinterbliebenen aufkommende Fragen stellen können.
  7. Erst dann sollte die Frage um eine Zustimmung oder Ablehnung zur Organentnahme gestellt werden. Hierbei ist jede Einflussnahme zu vermeiden. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Informationen gegeben werden dürfen. So ist darauf hinzuweisen, dass es jetzt nur die Wahl zwischen zwei Wegen gibt: Therapieende oder Organentnahme Gerade jetzt ist es wichtig, alle gestellten Fragen nüchtern und sachlich zu beantworten, um den Hinterbliebenen eine für sie tragfähige Entscheidung fällen zu können.[Anm. 3]

"Da waren die drängenden Hinweise des Arztes, dass ein anderes Kind sterben müsse, wenn ich nicht zustimme", so Renate Greinert.

Sie stimmten zu. "Mein Sohn ist recycelt worden, über Europa verteilt, angeboten wie Ware",[2] sagte Renate Greinert.

Zur Bestattung wurde Christian Greinert nach Wolfsburg überführt. Seine Mutter, Renate Greinert, wollte ihn fünf Tage später beim Bestatter noch einmal sehen. Der Bestatter riet davon ab, denn er habe sich sehr verändert. Auf ihr Drängen hin öffnete er den Sarg. Christians Augen fehlten. Ein Schnitt "zog sich von seiner Kinnspitze bis tief in den Ausschnitt seines Hemdes".[Anm. 4]

Auf diesen Schrecken hin forderte Renate Greinert die Akte von ihrem Sohn Christian an. Dadurch erfuhr sie, dass man ihm Herz, Leber, Nieren und die Augen sowie ein Beckenkammknochen entnommen hatte. "Unser Einverständnis zu einer Organentnahme war ungefragt zu einer Multiorganentnahme ausgeweitet worden."

Im Nachhinein kamen Zweifel am Hirntod. Für Renate Greinert ist der Hirntod nicht der Tod des Menschen.

Die ihr angebotene Hilfen waren für Renate Greinert nicht hilfreich. Erst bei Schamanen[Anm. 5] fand sie für sie passende Antworten: Ihr Sohn Christian sei ein Opfer der Transplantationsmedizin geworden, die selbst eine moderne Form von Kannibalismus sei.


Anhang

Quellen

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.organspende-im-dienste-der-wartenden-page1.4810c674-b152-46ae-bee5-4e6751e202cb.html Zugriff am 18.7.2015.


Anmerkungen

  1. Ein wünschenswertes Vorgehen hat Klaus Schäfer in seinem Buch Vom Koma zum Hirntod beschrieben.
  2. Hierzu sollte - wie es auch die HTD vorsieht - mit den leichten Reizen begonnen werden, um dann schrittweise zu den schwereren Reizen zu wechseln. Dabei sollten die einzelnen Schritte anschaulich und für Nichtmediziner nachvollziehbar gezeigt werden.
    So kann z.B. bei der Erklärung des Pupillen-Reflexes der Arzt zunächst mit der Taschenlampe in sein Auge leuchten, damit die Hinterbliebenen sehen können, wie dieser Reflex funktioniert. Gleiches gilt beim Berühren der Augenlider. Hier können die Hinterbliebenen dazu eingeladen werden, an sich selbst zu testen, ob sie es schaffen, ohne mechanische Hilfe ihr Auge offen zu halten, wenn sie ihren Augapfel berühren wollen. Gleiches gilt beim Überprüfen des Würge-Reflexes.
    Sollte die Trennung des Hirntoten von der künstlichen Beatmung notwendig sein, um die letzten Zweifel auszuräumen, dass hier kein Koma, sondern Hirntod vorliegt, sollten vorher kurz die physiologischen Zusammenhänge erklärt werden. Die Hinterbliebenen sollten in der anthopologischen Tragweite verstehen, was ihnen hierbei gezeigt wird.
  3. Dies gilt grundsätzlich für alle Gespräche nach der Feststellung des Hirntodes. Bei hirntoten Kindern und Jugendlichen ist jedoch ein besonders behutsamer Umgang angeraten.
    Wenn keine schriftliche oder mündliche Zustimmung oder Ablehnung zur Organentnahme vorliegt und die Hinterbliebenen keine Ahnung haben, was der Hirntote für diese Situation für sich wünschte, haben die Hinterbliebenen zu entscheiden. Mit dieser Entscheidung müssen sie ein Leben lang leben. Daher ist die Tragfähigkeit der Entscheidung von so großer Bedeutung.
    Diese Bedeutung der Tragfähig ist für die Zustimmung wie auch für die Ablehnung sehr wichtig. Bei den unter KAO zusammengeschlossenen Eltern besitzt die Zustimmung keine Tragfähigkeit. Bei Klaus Kinkel besitzt die Ablehnung keine Tragfähigkeit, da er die Entscheidung ohne Rücksprache mit der Familie traf, die davon wusste, dass die Tochter klar gesagt hatte, dass sie für sich einer Organentnahme zustümmen würde.
  4. Weshalb noch der Hals aufgeschnitten wurde, ist unverständlich. Es ist nicht notwendig, dass bei einer Organentnahme der Hals aufgeschnitten wird.
  5. Renate Greinert war 2015 im Vorstand des Schamanischen Netzwerks Europa. Siehe: http://www.schamanisches-netzwerk-europa.de/qualitaetskriterien/der-vorstand/52-renate-greinert.html Zugriff am 22.7.2015.

Einzelnachweise

  1. Referenzfehler: Es ist ein ungültiger <ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namens ek2005 wurde kein Text angegeben.
  2. http://www.tageswoche.ch/de/2012_04/schweiz/346991 Zugriff am 02.06.2020.