Leben
Das Wort Leben bezeichnet zum einen die Organisations- bzw. Prozessform, die allen Lebewesen gemeinsam ist und die sie von lebloser Materie unterscheidet. Zum anderen bezeichnet es die Gesamtheit der Lebewesen in einem abgegrenzten Gebiet.
Was Leben bzw. ein Lebewesen ist, wird – in der modernen Biologie wie schon bei Aristoteles (384-322 v.C.) – nicht über einzelne Eigenschaften, einen bestimmten Zustand oder eine spezifische Stofflichkeit definiert, sondern über eine Menge von Aktivitäten, die zusammengenommen für Leben bzw. Lebewesen charakteristisch und spezifisch sind. Als diese Aktivitäten werden üblicherweise genannt:
- Energie- und Stoffwechsel und damit Wechselwirkung mit ihrer Umwelt.
- Organisiertheit und Selbstregulation (Homöostase).
- Reizbarkeit, das heißt sie sind fähig, auf chemische oder physikalische Änderungen in ihrer Umwelt zu reagieren.
- Fortpflanzung, das heißt, sie sind zur Reproduktion fähig.
- Vererbung, das heißt, sie können Informationen (Erbgut) an ihre Nachkommen übermitteln.
- Wachstum und damit die Fähigkeit zur Entwicklung.
Ein System als solches erreicht noch nicht die Stufe des Lebens, da auch unbelebte Zusammenschlüsse einzelner Einheiten zu höheren Einheiten über mehrere Stufen hinweg vorkommen.
Leben in seiner Entwicklung
Leben der Einzeller
Evolutionsgeschichtlich die ersten Lebewesen waren die Einzeller. Nach dem Fossilbericht lassen sich Einzeller seit rund 3,5 Mrd. Jahren nachweisen. Zu den frühesten Lebewesen nach weißbaren Lebewesen gehören Cyanobakterien. Das Leben der Einzeller kann auf der Erde früher begonnen haben, doch wurden bisher (2019) noch keine älteren Fossilen gefunden.
Das Leben dieser frühen Lebewesen ist von 2 Faktoren gekennzeichnet: a) sie haben einen eigenen Stoffwechsel b) sie haben eine DNA bzw. eine RNA (Erbgut)
Leben der Vielzeller
Vielzeller unterscheiden sich von Kolonien einzelliger Lebewesen durch:
- einen gemeinsamen Stoffwechsel des Zellverbands
- eine mehr oder weniger ausgeprägte Aufgabenteilung der Zellen
- häufig die Ausbildung von Geweben.
Mehrzellige Lebewesen umfassen die Mehrzahl der Tiere (Animalia), Pflanzen (Plantae) und Pilze (Fungi). Bei Algen (im engeren Sinne) und Bakterien (Bacteria) gibt es Übergangsformen zur Mehrzelligkeit.
Leben mit Bewusstsein
Sogenannte "höhere Lebewesen" besitzen ein Bewusstsein. Dazu gehören vor allem die meisten Säugetiere, viele Vögel, Fische und Kopffüßer. Mit ihren Sinnesorganen können sie Fressfeinde wahrnehmen und sich rechtzeitig vor ihnen schützen (z.B. durch Flucht oder durch ein Versteck). Als Raubtier können sie mit ihren Sinnesorganen ihre Opfer wahrnehmen, sie gezielt jagen, um sie schließlich zu fressen.
Bei einigen höheren Lebewesen konnte ein Selbstbewusstsein nachgewiesen werden.
Leben des Menschen
In den letzten 5 Mio. Jahren entwickelte sich aus den ersten Hominini über verschiedene Zwischenstufen vor rund 2 Mio. Jahren der Homo errectus, aus dem sich der Homo sapiens entwickelte und hieraus schließlich der heutige Mensch. Siehe: Stammesgeschichte des Menschen.
Biologisch weist der Mensch gegenüber vielen Tieren zahlreiche Gemeinsamkeiten auf:
Taxa | Gemeinsamkeit | evolutionäres Alter | Anz. der Arten |
---|---|---|---|
Wirbeltier | besitzt eine Wirbelsäule | rund 410 Mio. Jahre | 70.300 |
Landwirbeltier | lebt auf dem Land | rund 365 Mio. Jahre | 35.600 |
Säugetier | Neugeborene saugen an der Mutter | rund 125 Mio. Jahre | 6.400 |
Primaten | rund 55 Mio. Jahre | ||
Menschenaffen | rund 16 Mio. Jahre | 8 | |
Homo sapiens | knapp 2 Mio. Jahre | ||
Mensch | leistungsfähigstes Gehirn | 1 |
Mit vielen Tieren besitzt der Mensch zahlreiche Gemeinsamkeiten, doch sein leistungsfähiges Gehirn zeichnet ihn gegenüber allen anderen Lebewesen aus. Aufgrund dieser Leistungsfähigkeit seines Gehirns vermag er jedes andere Lebewesen zu töten und erschuf eine Kultur.
Sonstiges
Definitionen
"Ein Organismus ist mehr als die Summe seiner lebenden Zellen. Er hat selbst ein Leben, ein globales Leben, das aus der höherdimensionalen Integration der beteiligten lebenden Elemente erwächst. Das Leben eines Organismus geht über das Leben seiner Zellen hinaus, greift auf sie zurück und erwidert den Nutzen, in dem es sie am Leben erhält. Diese Integration echten Lebens macht einen Organismus genau in dem Sinn lebendig, in dem ein mordernes, komplexes Computernetzwerk nicht lebendig ist."[1]
Zitate
Margaret MckFall-Ngai: "Pflanzen und Tiere sind die Patina auf der Welt der Mikroorganismen."[2]
Synthetisches Leben
Mit synthetischen und halbsynthetischen Lebewesen sind ganz neue Formen des Lebens möglich.[3] Auf diese Lebensformen sollen hier nicht eingegangen werden.
Anhang
Anmerkungen
Einzelnachweise
- ↑ Antonio Damasio: Im Anfang war das Gefühl. Der biologische Ursprung menschlicher Kultur. München 2017, 82.
- ↑ Antonio Damasio: Im Anfang war das Gefühl. Der biologische Ursprung menschlicher Kultur. München 2017, 67.
- ↑ https://www.welt.de/kmpkt/article161551190/Forscher-erschaffen-Lebewesen-mit-Alien-Erbgut.html Zugriff am 14.09.2019.